BFF LogoUniv.-Prof. Dr. Franz Fischl
Kinderwunsch2025-12-01

IVF – was Paare wirklich wissen sollten

In-vitro-Fertilisation ist für viele Paare der erhoffte nächste Schritt. Ich erkläre, wann IVF sinnvoll ist, was den Ablauf ausmacht und worauf man sich einstellen sollte.

Univ.-Prof. Dr. Franz Fischl
IVF – Reproduktionsmedizin
Ich bin seit den frühen 1980er Jahren in der Reproduktionsmedizin tätig und habe die IVF-Behandlung in Österreich maßgeblich mitgeprägt – von den ersten Versuchen bis zu den heute standardisierten, sehr viel schonenderen Verfahren. IVF ist für viele Paare ein echter Lebenswendepunkt – und ich möchte erklären, was dahintersteckt. ## Was ist IVF? IVF steht für In-vitro-Fertilisation – also Befruchtung im Labor. Vereinfacht gesagt: Eizellen werden entnommen, im Labor mit Samenzellen befruchtet, und der entstandene Embryo wird in die Gebärmutter übertragen. Klingt einfach – ist es medizinisch aber nicht. Jeder Schritt erfordert präzise hormonelle Steuerung, Timing und Erfahrung. ## Wann wird IVF empfohlen? - Verschlossene oder nicht funktionierende Eileiter - Schwere Einschränkung der Spermienqualität (dann oft als ICSI) - Endometriose mit Auswirkung auf die Fruchtbarkeit - Mehrfach erfolglose Inseminationen - Unklare Ursache nach ausführiger Abklärung (idiopathische Infertilität) - Fortgeschrittenes Alter in Kombination mit anderen Faktoren IVF ist kein erster Schritt – sondern ein Schritt, dem in der Regel eine ausführliche Diagnostik und oft andere Verfahren vorangehen. Mein Ansatz: So wenig wie nötig, so viel wie nötig. ## Der Ablauf einer IVF-Behandlung **Phase 1 – Stimulation:** Die Eierstöcke werden durch Hormongaben stimuliert, um mehrere reife Eizellen zu produzieren. Das dauert in der Regel 10–14 Tage und erfordert regelmäßige Ultraschallkontrollen. **Phase 2 – Punktion:** Die reifen Eizellen werden unter kurzer Narkose durch die Vaginalwand entnommen. Ein kleiner Eingriff, der ambulant erfolgt. **Phase 3 – Befruchtung im Labor:** Die entnommenen Eizellen werden mit aufbereiteten Samenzellen befruchtet. Bei ICSI wird eine einzelne Samenzelle direkt in die Eizelle injiziert. **Phase 4 – Transfer:** Ein oder zwei Embryonen werden nach 2–5 Tagen in die Gebärmutter übertragen. Danach: Warten. Der Schwangerschaftstest erfolgt nach etwa zwei Wochen. > Die Erfolgsrate einer IVF-Behandlung liegt je nach Alter und Ursache zwischen 20 und 45% pro Versuch. Ehrliche Information dazu gehört für mich zum Gespräch dazu. ## Worauf sollte man sich einstellen? IVF ist körperlich und emotional anspruchsvoll. Die Hormonstimulation kann Nebenwirkungen haben. Das Warten auf den Schwangerschaftstest ist belastend. Und nicht jeder Versuch führt zum Ziel. Das sage ich nicht um zu entmutigen – sondern weil realistische Erwartungen eine gute Grundlage für diese Zeit sind. Was ich meinen Patientinnen und Paaren mitgebe: Sie sind nicht allein. Ich begleite Sie durch jeden Schritt – und bin auch dann da, wenn ein Ergebnis nicht das erhoffte ist.
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